Globuli – Was können die kleinen Kügelchen wirklich?

Immer öfter gab es bezüglich des Einsatzes von Globuli heftige Diskussionen. Schon seit Jahrzehnten versuchen zahlreiche Studien der Wirkung der kleinen weißen Kügelchen nachzugehen. Dass diese rein wissenschaftlich aus praktisch nichts bestehen, hält fast jeden zweiten Deutschen nicht davon ab, Globulis nicht wenigstens einmal zu testen. Jeder Vierte schwört sogar auf Homöopathie und ist überzeugter Anwender. Die eine Seite hält Beladonna & Co. Für Aberglauben und Einbildung, die andere Seite sieht die Wirkung quasi als erwiesen an.

Die Grundlage der Homöopathie

Die Homöopathie beruht auf dem sogenannten Ähnlichkeitsgesetz. Der in Meißen geborene Arzt Dr. Samuel Hahnemann testete um 1790 die Wirkung der als Malariamittel bekannten Chinarinde am eigenen gesunden Körper. Nach Einnahme des Waldgewächses stellte er bei sich zu seiner Überraschung die typischen Malariasymptome wie Fieber, Schüttelfrost und Schweißausbrüche fest. Damals kam dem Gelehrten die Idee: Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt. Da man aber die teils giftigen Substanzen den Patienten nicht direkt verabreichen kann, werden diese „verschüttelt“, sprich verdünnt. Im endgültigen Produkt, den kleinen weißen Kügelchen namens Globuli, bleibt am Ende keine nachweisliche Menge mehr vor. Die Wirkung soll allerdings erhalten bleiben, durch das Gedächtnis des Wassers.

Wo Globuli am besten wirkt

Besonders gut wirkt das Verfahren offenbar bei chronischen und psychosomatischen Erkrankungen: Schmerzen, Ekzemen, Asthma, Heuschnupfen, nervösen Magenbeschwerden, Schlafstörungen, Angstzuständen oder Depressionen. Die Genesung soll quasi von innen nach außen verlaufen. Dass sich die Symptome zu Beginn verschlechtern ist für Homöopathen ein gutes Zeichen, der Körper reagiert und es kommt etwas in Bewegung.

Alles Einbildung?

Die Homöpathie geht davon aus: Je verdünnter, desto wirksamer. Die Ursache kann man jedoch nicht abschliessend erklären. Wissenschaftler halten dies oft für Unsinn. “Die Basis ist falsch, die Experimente sind falsch. Wenn die Theorie stimmen würde, dann wäre das gesamte Wasser der Erde eine einzige hochgradige homöopathische Substanz. Jedes Mineralwasser wäre ein Supermedikament.”, so Prof. Jürgen Windeler, Experte bei der Bewertung therapeutischer Verfahren, stellvertretender Geschäftsführer des MDS (Medizinischer Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen) und seit kurzem Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Gespräch mit ÖkoTest. Aus Sicht der Schulmedizin fehlt es der Homöopathie nicht nur an Plausibilität, sondern vor allem am Nachweis, dass sie wirklich wirkt.

Die Anhänger der Globuli allerdings brauchen keinen wissenschaftlichen Nachweis, geben sich zum Teil auch mit einem Placeboeffekt zufrieden. Wenn ein Mittel gegen Kopfschmerzen oder andere Symptome hilft, braucht man eben keine teuren Studien, die Studie am eigenen Körper reicht vollkommen aus. Und da Homöopathie keine Nebenwirkungen hat, kommen Globuli auch bei immer mehr Hausärzten zum Einsatz, mit durchschlagendem Erfolg. Die Diskussion wird also weiter andauern, ohne absehbares Ende.